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Was blüht jetzt im Botanischen Garten Adorf

September 2017

 

Gab es im August schon einen deutlichen Rückgang der zu dieser Zeit blühenden Arten in unserem Botanischen Garten, so hat sich diese Tendenz im September, jahreszeitlich und durch den Witterungsverlauf bedingt, noch deutlich verstärkt. Nur im Bereich „gartenwürdige Züchtungen“ blüht es noch auffallend, viele Korbblütler, Rittersporn, Glockenblumen und andere Stauden erfreuen noch das Auge des Betrachters. In den geografischen Herkunftsbereichen muss man schon intensiv nach Blüten suchen, aber man wird auch dort noch vereinzelt fündig.

So blüht im oberen Teil des „Asien“-Abteilung noch der gelbe Klebrige Salbei, Salvia glutinosa.

Die Staude, die bei uns ca. 50 cm hoch ist, aber durchaus noch höher werden kann, ist in weiten Teilen Asiens verbreitet, kommt aber auch in wärmeren Regionen Europas vor. Die Gattung Salbei, Salvia, ist mit ca. 900 Arten recht groß und nahezu weltweit verbreitet, und sie gehört zur Pflanzenfamilie der Lippenblütengewächse.  Die Blüten der Salbei-Arten können weiß, gelb, blau oder rot sein. Der Blütenstiel des Klebrigen Salbei weist eine drüsig-flaumige Behaarung auf. Hauptbestäuber des Klebrigen Salbeis sind Hummeln.

In den Alpen steigt er bis 1700m auf. Am Naturstandort wächst er gerne im Halbschatten auf mäßig feuchtem Untergrund, toleriert aber auch abweichende Verhältnisse, nur direkt auf Kalk sollte er bei uns nicht gepflanzt werden.

Im Gegensatz zum blaublütigen Echten Salbei, Salvia officinalis, gibt es für den Klebrigen Salbei keine medizinischen Anwendungsgebiete.

Begibt man sich in die Abteilung der „Farne und deren Begleitpflanzen“, so findet man dort die Japanische oder Borstige Krötenlilie, Tricyrtis hirta, noch blühend vor.

Die ca. halbmeter-hohe Staude fällt durch ihre zwar nicht besonders großen aber attraktiv gefärbten Blüten auf. Diese sind 6-zählige Sterne mit weißer Grundfärbung und lila Sprenkelung. Die Pflanze, die man bei uns eher seltener als Zierpflanze antrifft, stammt aus Ostasien, vornehmlich aus Japan, wo die Gattung Tricyrtis – Krötenlilie etwa 20 weitere Vertreter hat. In Kultur bei uns wünschen Krötenlilien einen schattigen bis halbschattigen Standort mit humosem, leicht feuchtem, aber nicht staunassem Boden. Ein bis zwei Düngungen im Verlaufe der Vegetationsperiode sind sehr nützlich. Die Pflanzen sind recht winterhart, ein leichter Winterschutz ist aber empfehlenswert. Eine Vermehrung kann leicht durch Teilung der Wurzelstöcke erfolgen.

Ein zurzeit sehr attraktiver Farbtupfer ist die blühende Prunkwinde, Ipomoea lobata, die an einem Pfosten unseres Gartenhauses rankt.

 

Die Sternwinde oder auch Spanische Flagge aus der Gattung der Prunkwinden fällt durch ihre auffällig gefärbten Blüten, deren Farbe von rot beim Aufblühen nach fast reinweiß im späteren Zustand wechselt, ins Auge. Die Pflanze, die bei uns in einem Kübel kultiviert wird, stammt aus dem südlichen Mexiko, wo sie in Höhen bis 1700m aufsteigt. Bei uns wird sie in der Regel als einjährige Zierpflanze kultiviert. Die einzelnen Blüten sind 5-zählig-radiärsymmetrisch, die Kronblätter sind zu einer Art Röhre verwachsen.

Zur etwa 650 Arten weltweit umfassenden Gattung der Prunkwinden gehören viele Kletter- und Schlingpflanzen aber auch Sträucher. Aus Mitteleuropa sind ursprünglich nur 2 Arten bekannt. Die größte wirtschaftliche Bedeutung der Gattung hat die Süßkartoffel, Ipomoea batatas, deren Erntemengen weltweit über  einhundert Millionen Tonnen im Jahr beträgt.

Dr. Peter Renner
Verein Botanischer Garten Adorf e.V.

 

 

August 2017


Der Witterungsverlauf der letzten Wochen war durch abwechselnde Perioden von trocken-warmen und regnerisch-kühlem Wetter gekennzeichnet – eigentlich recht gute Voraussetzungen für ein reiches Pflanzenwachstum. Geht man jetzt durch unseren Garten, findet man aber vergleichsweise wenig blühende Arten vor. Dies liegt allerdings daran, dass die meisten Pflanzen schon früher blühen; im Spätsommer und Herbst dominieren vor allem Stauden, was in der Abteilung „Gartenwürdige Züchtungen“ schön zu sehen ist. Aber auch in anderen Bereichen wird man noch fündig.

Ein echter „Farbklecks“ im Bereich „Nordamerika“ ist momentan die flach wachsende Missouri-Nachtkerze, Oenothera macrocarpa 

mit ihren großen gelben Blüten. Die Gattung der Nachtkerzen stammt ursprünglich aus den gemäßigten Breiten Nord- und Südamerikas, aber bereits vor über 300 Jahren wurden viele Arten in Europa eingebürgert und sind heutzutage sogenannte Neophyten. Die Gattung enthält über 150 Arten. Es gibt unter ihnen einjährige, zweijährige und ausdauernde Arten. Der deutsche Gattungsname rührt daher, dass viele Arten ihre Blüten erst in der Nacht öffnen und dann auch duften, da sie durch überwiegend nachtaktive Insekten bestäubt werden. Der Pflanzenhabitus variiert von niederliegenden, nur bis zu 15 cm hoch werdenden Arten bis zu solchen, die ihre Blüten an einem hohen Stängel tragen. Die aus 4 Kronblättern bestehende Blüten können gelb, weiß rosa sein. Die bei uns frostharten Arten stellen keine allzu hohen Ansprüche an den Boden; er sollte durchlässig sein; Trockenheit wird gut toleriert. Die Vermehrung kann durch Aussaat oder Teilung der Pflanzen im Frühjahr geschehen.

Wohl jeder von uns kennt Alpenveilchen oder hat diese auch als Topfpflanze zuhause. Dabei handelt es sich in vielen Fällen um Zuchtformen der Art Cyclamen persicum, die ihren Ursprung im östlichen Mittelmeergebiet und Nordafrika hat; sie ist bei uns nicht frosthart. Andere Arten sind bei uns winterhart und können im Freien kultiviert werden. Die zu den Primelgewächsen gehörende Gattung umfasst heute etwa 22 Arten, die ihre Heimat im Wesentlichen rund um das Mittelmeer und in Kleinasien haben. Blüten und Blätter entspringen einer unter der Erdoberfläche liegenden Knolle, die beträchtliche Ausmaße (bis 15 cm; bei manchen Züchtungen noch darüber) annehmen kann. Die Laubblätter mancher Arten tragen eine schöne Musterung, die einzeln auf Stielen stehenden Blüten haben ihre Kronblätter stark nach oben gebogen. Die Blütenfarbe variiert zwischen rot und weiß in allen möglichen Abstufungen (vor allen auch bei den Zuchtformen). In unserem Garten blüht zurzeit das Herbst-Alpenveilchen (Cyclamen hederifolium) 

im Bereich „Farne und Begleitpflanzen“ fasst etwas im Verborgenen. Viele andere Alpenveilchenarten haben ihre Blütezeit im oft schon zeitigen Frühjahr. Die Pflanzen lieben einen halbschattigen Standort in frischem, humosen Boden. Alpenveilchen können durch Samen gut vermehrt werden.

Die dritte der heute vorzustellenden Pflanzen ist ein Vertreter der Gattung „Eryngium“, die die deutschen Namen Edeldistel oder auch Mannstreu tragen. Die Gattung umfasst ca. 230 Arten und ist in Europa und Südamerika heimisch. Die bei uns im Bereich „Afrika“ blühenden Art „Eryngium variifolium“, Atlas-Mannstreu oder auch Edeldistel 

kommt nur in Marokko vor. Die Gattung gehört zu den Korbblütlern. Die sehr formenreichen Blüten mit ihren oft auffälligen Hochblättern besitzen in der Regel bläuliche Farbtöne. Die bei uns winterharten Arten benötigen einen tiefgründigen, durchlässigen Boden und viel Sonne. Vermehrt wird durch Samen oder Teilung der Wurzelstöcke.

 

   

  

Juli 2017

In letzter Zeit hat es etwas regelmäßiger geregnet und unser Gärtner muss nicht mehr ganz so intensiv wässern, wie im April und Mai. Mit jeweils 34 L Niederschlag waren diese beiden Monate eindeutig zu trocken. Im Juni hatte ich 100 L gemessen, wobei die Zahl etwas täuscht und die ungleichmäßige Verteilung ebenfalls teilweise zu ausgetrockneten Böden geführt hat. Der Boden war durch den vorangegangenen Wassermangel teils nicht mehr durchfeuchtet und bei Starkregen läuft der Niederschlag oberflächlich weg - Richtung Fluss.

Die erste von drei aus unterschiedlichen Familien stammende Pflanze, welche ich vorstellen möchte, führt uns lediglich bis in die Alpen, nämlich nach Norditalien zwischen Comer- und Gardasee. Es ist der Südalpenlauch – Allium insubricum:

 

 

Er gehört zu den Lauchgewächsen (Familie der Alliaceae), bei manchen Ordnungshütern zu den Amaryllisgewächsen (Familie der Amaryllidaceae). Im Zander stehen 824 Arten. Dazu gehören viele bekannte Pflanzen, wie unsere verschiedenen Speisezwiebeln, Schnittlauch oder Knoblauch. Die meißten Alliumarten stammen aus trockenen gebirgigen Regionen der Nordhalbkugel. Sie bevorzugen gut drainierte, fruchtbare, sonnige und sommertrockene Standorte. Allium insubricum ist sehr ausdauernd, hat riemenförmige, mittelgrüne, stengelumfassende Blätter und glockige, hängende Blüten.

 

Als zweite Pflanze stelle ich das Taurische Brandkraut – Phlomis taurica vor:

 

 

Dieses Brandkraut oder auch Strauchnessel genannt, ist etwas größer (ca. 40 cm) und für Staudenpflanzungen geeignet. Es gibt ca. 150 Brandkrautarten. In der Natur kommen Phlomis-Arten vom Mittelmeerraum bis China vor. Sie gehören zur Familie der Lippenblütler – Lamiaceae.

Zu den Lippenblütlern gehören z.B. auch die Gattungen Rosmarin, Salbei, Minze oder Basilikum. Das taurische Brandkraut wächst im Raum Türkei – Kaukasus - Krim. Die röhrigen Blüten bilden Scheinquirle, sind 2-lippig, wobei die Oberlippe sich helmförmig über die Unterlippe biegt. Es mag: fruchtbaren, wasserduchlässigen Boden und volle Sonne.

 

Ein Ehrenpreis, Veronica spicata mit dem Unterartnamen (subspecies) incana, der Silberpolsterehrenpreis ist unsere letzte, heute vorgestellte Pflanze:

 

 

Veronica spicata wächst auf trockenen Wiesen, Heiden und Böschungen von Europa über die Türkei bis Zentral- und Ostasien, wobei sich die Unterart incana auf Südostrussland beschränkt. Veronica gehört zu den Braunwurzgewächsen – Scophulariaceae. Es gibt ca. 250 Arten von der Einjährigen über Stauden und Wasserpflanzen zu Halbsträuchern. Veronica spicata ssp. Incana ist matten-bildend, niederliegend und hat gesägte, silbrig behaarte Blätter. Die Blütezeit ersteckt sich vom Früh- bis zum Spätsommer. Zahlreiche Auslesen und Sorten, wie „Blaufuchs“, „Blue Peter“ und „Heidekind“ sind im Handel. Der Name der Gattung bezieht sich auf die heilige Veronika, welche mit Ihrem Tuch das Gesicht Chisti getrocknet hat. Als Belohnung erschien auf diesem Tuch sein Antlitz. Diese Sage entstand im Mittelalter, weil Gelehrte in den Blüten Gesichter zu sehen glaubten...

Kleine Blüten, aber zahlreich und mit guter Fernwirkung besitzt unsere Veronica spicata ssp. incana. Ich will mit einem Karl Förster – Zitat zu dieser Pflanze schließen : „...Diese Veronika ist wieder einmal ein kleines lebensstarkes Schönheitswunder, dem man sein wahres Lied noch nicht gesungen hat...“ aus „Der Steingarten der sieben Jahreszeiten“ 12. Auflage Ulmer 2000.

 

Holger Puchta, Botanischer Garten Adorf e.V.

 

 

 

 

Juni 2017

Die vergleichsweise hohen Temperaturen und geringen Niederschlagsmengen während der letzten zwei Wochen haben dazu geführt, dass viele Arten in unserem Garten früher blühten als im Vergleichszeitraum des Vorjahres oder gar schon wieder verblüht sind.

So möchten wir dann auch diesmal Arten vorstellen, denen warmes Wetter und Trockenheit zusagen. Naturgemäß handelt es sich um Pflanzen aus wärmeren Regionen. Zwei der diesmal vorgestellten Pflanzen befinden sich bei uns im Bereich Afrika.

Ganz im Süden, in der Kappregion, blüht eine bei uns noch sehr wenig bekannte Art namens Rhodohypoxis deflexa. Deutsche Namen sind Knollenpolster, Magentastern oder auch Grasstern. Die Gattung Rhodohypoxis umfasst nur 6 Arten. Es sind kleine, polsterartig wachsende Pflanzen mit verdickten Knollen. Sie bilden grasartige Blätter, die bis zu 11cm lang werden und ein wenig behaart sind. Die bis zu 2 cm großen 6-zähligen Blüten gibt es in vielen Farbschattierungen zwischen weiß und dunkel rosarot, da mittlerweile zahlreiche Zuchtformen selektiert wurden. Rhodohypoxis wächst in der Heimat auf feuchten grasigen Hängen und am Rand von Mooren. Die Pflanzen sind bei uns nur sehr eingeschränkt winterhart und sollten deshalb in Töpfen oder Schalen kultiviert und im Keller überwintert werden. Das Pflanzsubstrat sollte kalkfrei sein, humusreich und während der Vegetationsperiode frisch gehalten werden.

Vom südlichen Afrika geht es nun in den Norden des Kontinents. Von dort, nämlich aus Algerien und Marokko, stammt die distelähnliche Pflanze Carduncellus rhaponticoides. Gebräuchliche deutsche Namen sind Färberdistel oder auch Scheindistel. Die Pflanzen bilden eine dicht am Boden liegende Blattrosette von bis zu 20 cm Durchmesser mit dornig gezähnten Blättern, in deren Mitte sich eine blauviolette Blüte befindet, die bis zu 5 cm im Durchmesser erreichen kann. Die Färberdistel gehört zu den Korbblütlern. Am Naturstandort wächst die Pflanze auf steinigen, offenen Plätzen in bis zu 1700 m Höhe. Bei uns in Kultur möchte sie einen trockenen und sonnigen Standort haben. Eine Vermehrung ist durch Samen möglich ist.

              

Die Dritte im Bunde der Pflanzen, die es gerne warm und sonnig mögen, ist der Gelbe Affodill, Asphodeline lutea, der im Mittelmeerraum und Vorderasien sowie der Türkei und der Balkanhalbinsel vorkommt. Die Junkerlilie gehört zur Familie der Grasbaumgewächse und der Gattung der Junkerlilien. Der traubige Blütenstand steht auf einem bis über 1 m hohen Stängel, ist bis 40 cm lang und trägt zahlreiche leuchtendgelbe Einzelblüten. Die wintergrünen dicken grasartigen Blätter bilden eine bodenständige Rosette und ziehen sich am Stängel nach oben bis zum Blütenstand. Bei uns wächst die Pflanze an sonnigen trockenen Standorten. Es werden Wintertemperaturen bis unter minus 10 Grad vertragen. Eine Vermehrung ist durch Samen und durch Teilung älterer Pflanzen möglich. Sehr ähnlich zu den Vertretern der Gattung Asphodeline ist die Gattung Asphodelus, von denen auch Vertreter im Garten angetroffen werden können.

              

 

Dr. Peter Renner
Verein Botanischer Garten Adorf e.V.

 

Mai 2017

Unsere heutigen vorgestellten  Pflanzen führen uns von den Alpen über Süd- und Osteuropa, die Türkei bis Zentralasien also östlich des Kaspischen Meeres. Alle 3 Pflanzen blühen gelb bis grün-gelblich. Wer größere, meist künstlich angelegte Pflanzungen mit vielen Pflanzen auf engen Raum genau beobachtet, dem fällt auf, dass im Jahresverlauf oft farblich ähnliche Pflanzen zur selben Zeit blühen – ob Zufall, Bestäubungsstrategie oder „naturgesteuert“ - ich weiß es nicht.

Die Blütenfarbe Gelb ist in der Staudengärtnerei und im GaLa-Bau oftmals nicht erwünscht. Dies ist nicht immer nachvollziehbar, spielt aber bei der Pflege von Gebirgspflanzen keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Vorstellen möchte ich als erstes die Alpenaurikel, Primula auriculata aus der Familie der Primelgewächse.

 

 

 

 Zu dieser Familie gehören z.B. auch die Alpenmannsschilder und die Alpenveilchen. Es gibt kleine Vorkommen im Appenin, den Abruzzen, den Karpaten und im Scharzwald. Sie wächst hauptsächlich in den Alpen und steigt dort bis 2900 m auf. Sie ist eine leicht zu pflegende Steingartenpflanze für Steinfugen oder in der Geröllfläche. Sie mag es kalkhaltig, etwas Lehm, etwas Humus und viel Steine. Die Alpenaurikel ist sehr variantenreich, es haben sich viele Lokalrassen gebildet. Nicht vergessen sollte man, dass sie zu den Eltern unserer Gartenaurikel (Primula x pubescens) gehört und leicht hybridisiert. D.h. Wenn man artreine Samen ernten und aussäen will, darf zur Befruchtungszeit in einiger Entfernung keine andere Primelart blühen. Von Mitte des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts war der Höhepunkt der Primelliebhaberei in England, Belgien und Deutschland mit unzähligen Züchtungen der Primula x pubescens (ca. 1000 Stück). Primula aurikula hatte ihren Anteil daran. Primula x pubescens (das x steht für Kreuzung) entstand durch Kreuzung der hier vorgestellten Primula aurikula (Kalk, gelb blühend) mit Primula hirsuta (Urgestein, rot mit weißer Mitte blühend).

 Wir gehen weiter Richtung Nordosttürkei und Kaukasus. Dort wächst die Schwarzmeerelfenblume, Epimedium pinnatum ssp. colchicum.

 

 

 

 Es gibt ca. 22 Arten von Elfenblumen. Andere Arten haben ihr Verbreitungsgebiet bis China und Japan. Die Elfenblumen sind rhizombildend und dadurch als Bodendecker unter Gehölz- und Strauchformationen im Schatten oder Halbschatten zu gebrauchen. Kleinere Arten sind auch im Steingarten zu verwenden. Zur Zeit sieht man in den Gärten viel das rot blühende Epimedium x versicolor. Es sind alles zauberhafte Frühjahrsblüher, welche jetzt ihre Blütenwolken über den schon sichtbaren, aber noch niedrigen neuen Laub entfalten. Empfehlenswert ist auch eine kleine Sammlung von Züchtungen der Art Epimedium grandiflorum (Kleine Pflanzen – riesige Blüten).

 Die dritte und letzte Pflanze ist ein Wolfsmilchgewächs (weißer Milchsaft). Wolfsmilchgewächse

(Gattung Euphorbia) existieren weltweit mit ca. 2000 (!) Arten in vielen Lebensformen, vom Baum bis zu einjährigen Pflanze. Unsere heutige Pflanze ist die Walzenwolfsmilch, Euphorbia myrsinites.

 

 

 

 Das Vorkommen der Walzenwolfsmilch erstreckt sich von Süd- und Osteuropa bis in die Türkei und Zentralasien. Sie hat bis 20 cm lange liegende oder hängende (in Mauern), walzenförmig beblätterte  Triebe. Die Blätter sind blaugrün bereift und fleischig. Sie mag kalkhaltiges Substrat – Pflege ähnlich der Alpenaurikel. In sehr kalten Wintern gefriert sie manchmal stark zurück, treibt aber meist wieder schnell aus.

 Alle drei vorgestellten Pflanzen sind leicht zu pflegen, keine Kostbarkeiten und öfter in den Gärten von Adorf und Umgebung zu sehen. Trotzdem sind sie wunderschön.

Holger Puchta
Verein Botanischer Garten Adorf e.V.

 

 

April 2017


Von den meisten von uns sehnlichst erwartet hat der Frühling seit einiger Zeit nun auch bei uns Einzug gehalten. War es Anfang März noch vergleichsweise kühl, machte die Vegetation in den letzten 2-3 Wochen erhebliche Fortschritte, was den hohen Tagestemperaturen (bei z.T. vergleichsweise kühlen Nächten) und oftmals langer Sonnenscheindauer zu verdanken war.

So sind mittlerweile auch die ersten Frühlingsboten wie Winterling, Schneeglöckchen oder auch frühe Krokusarten und andere Arten schon wieder verblüht. Mittlerweile folgte ihnen eine wahre Flut weiterer blühender Arten, die wir in unseren Gärten beobachten können: Märzenbecher, Alpenveilchen, Steinbreche, Hungerblümchen, Puschkinien, Lerchensporn, Primeln, um nur einige ausgewählte Arten zu nennen.

Im Bereich „Alpen“ unseres Botanischen Gartens blüht zurzeit eine sehr attraktive Pflanze, die Schmuckblume (Callianthemum kernerianum). Es ist ein Endemit der Südalpen, speziell des Gebietes um den Gardasee, wo sie in Höhen zwischen 1500m und 2000m vorkommt. Schmuckblumen gehören zu den Hahnenfußgewächsen und kommen in Europa und Asien vor. Die Gattung umfasst 24 Arten. Kerners Schmuckblume bildet niedrige (3-6cm) hohe Polster mit weißlichen Blüten mit einem Schimmer von rosa, die denen von Margeriten ein wenig ähneln. Die Einzelblüten sind ca. 3cm breit und haben 10-20 keilförmige Kronblätter.

Eine andere Pflanze, die sowohl im Botanischen Garten wie auch an einigen Naturstandorten im Vogtland jetzt blüht, ist das Leberblümchen (Hepatica nobilis). Auch die Leberblümchen gehören zur Familie der Hahnenfußgewächse. Ihr deutscher Name leitet sich von der Form der Laubblätter ab, die an eine Leber erinnern. Früher wurde der Pflanze gemäß der sog. Signaturenlehre Heilkraft bei Leberleiden zugeschrieben. Heute wird im aufgrund der Inhaltstoffe eine schwache Giftigkeit attestiert. Natürliche Vorkommen sind oft lichte Laubwälder über basenreichen Böden. Die Gattung ist von Europa bis Ostasien und auch im östlichen Nordamerika verbreitet. Verschiedene Arten besetzen z.T. nicht verbundene, z.T. überlappende Areale. Das einheimische Leberblümchen besitzt blaue Blütenblätter. Die Verwendung als Zierpflanze reicht schon mehrere hundert Jahre zurück. Es existiert heute eine Vielzahl von Zuchtformen (mehrere hundert). Die Blüten sind dann oft gefüllt, weitere Farben wie weiß oder rosa bis rot wurden herausgezüchtet. Oft erreichen diese Pflanzen bei Börsen horrende Preise.

Wer sich im Vogtland das Leberblümchen am natürlichen Standort ansehen möchte, dem sei ein Spaziergang im Elstertal nördlich des Bahnhofs Pirk empfohlen.

 

Dr. Peter Renner
Verein Botanischer Garten Adorf

 

 

 

September 2016

 

In der zweiten Augusthälfte hat sich der Sommer bei uns noch mal so richtig Mühe gegeben. Die Temperaturen waren hoch, Regen war eher Mangelware – zum Leidwesen der Gärtner.

Im Spätsommer und Herbst dominieren blühende Stauden und setzen farbliche Akzente im Botanischen Garten. 

So findet sich z.B. im Bereich „Kaukasus“ noch ein schöner kleiner Busch des Kaukasischen Weidenröschens Epilobium caucasicum mit einer Fülle von dunkel-rosa Blüten und den ersten Samenständen.

 

Die Weidenröschen gehören zur Familie der Nachtkerzengewächse. Auf der nördlichen Halbkugel der Erde sind etwa 190  z.T. sehr unterschiedliche Arten der Gattung Epilobium verbreitet. Es gibt unter ihnen einjährige Arten, die meisten sind aber ausdauernd. Die Blüten weisen eine 4-zählige Symmetrie auf und sind weiß bis rosa. Aus ihnen entwickelt sich eine Kapselfrucht, aus der Samen mit oft seidenhaarigen Anhängseln austreten.

In unseren Wäldern ist das schmalblättrige Weidenröschen häufig anzutreffen. Es besiedelt gerne offenen Flächen, Kahlschläge, Ruderalstellen, Felsenstandorte.

Im vorderen Teil des Bereiches „Farne und Begleitpflanzen“ blüht jetzt das Kleine Mädesüß, Filipendula vulgaris.

 

Es ist ein „kleiner Bruder“ des bei uns weit verbreiteten Echten Mädesüß, Filipendula ulmaria. Die weißen rispenartigen Blütenstände bestehen aus vielen kleine Einzelblüten mit radiärsymmetrischen 5-zähligen Blüten. Die zu den Rosengewächsen gehörigen Pflanzen verströmen oftmals einen intensiven Duft, insbesondere abends. Kommt das Echte Mädesüß bei uns vor allem in Feuchtwiesen vor, so findet sich das Kleine Mädesüß vor allem auf Trockenrasen und Magerrasen. In Europa ist es wesentlich seltener als das Echte Mädesüß.

Der deutsche Artname „Mädesüß“ ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass die Pflanze früher zu Aromatisieren und Süßen von Wein, insbesondere des Met, verwendet wurde. Es existieren aber auch noch weitere Erklärungen.

Auch in unserem Moorbeet kann man jetzt noch blühend Pflanzen finden, wie beispielsweise die Glockenheide, Erica tetralix.

 

Sie ist dort mit der rosa blühenden Form und einer weiß blühenden Variante vertreten. Sie gehört zu den Heidekrautgewächsen. Neben dem Namen Glockenheide sind auch weitere deutsche Namen wie Sumpfheide, Torfheide oder auch Forchheide gebräuchlich. 

Die Glockenheide ist ein kleiner, immergrüner Zwergstrauch mit 3-6 mm langen nadelförmigen Blättern, die sich in großer Zahl am Stängel befinden. An dessen Ende liegen zwischen 5 und 15 Einzelblüten in Form einer 6-9mm langen Krone. 

Die Glockenheide kommt in Europa in Regionen mit atlantisch beeinflusstem Klima wie Spanien, Portugal, Frankreich und England vor sowie im nordwestdeutschen Tiefland. Dort besiedelt sie nährstoffarme Moore und Zwergstrauchheiden auf sauren Böden.

Viele natürliche Standorte der Glockenheide sind durch Entwässerung von Mooren und Wiederaufforstung gefährdet. In den Wäldern des Oberen Vogtlandes hat eine Verwandte der Glockenheide, nämlich die Schneeheide, Erica carnea, die nördlichsten Vorkommen ihres Gesamtverbreitungsgebietes. Sie blüht, wie der Name schon erahnen lässt, im zeitigen Frühjahr.

 Dr. Peter Renner
Verein Botanischer Garten Adorf 

 

August 2016

Unser Botanischer Garten ist, wie so mancher weiß, auf alpine Pflanzen spezialisiert. Dies braucht einerseits spezielle Standortbedingungen andererseits ist es möglich auf kleinem Raum viele Pflanzenarten und so manche Kostbarkeit zu pflegen. Aber auch größere Arten werden kultiviert.

Im Botanischen Garten und auch in vielen Adorfer Gärten sieht man zur Zeit die riesigen Blütenstände der Palmlilie – Yucca filamentosa (filamentosa = herabhängende Blattfasern) aus der Familie der Agavengewächse.


Yucca filamentosa

Sie ist gruppenbildend, kommt in den USA vor, hat bis zu 2 m hohe Blütenstände und verlangt volle Sonne und wasserdurchlässigen Boden. Im Gegensatz zu mancher ihrer Schwestern ist sie nicht stammbildend und blüht mit creme-weißen Glockenblüten. In ihrer Heimat werden die zwittrigen Blüten von Yuccamotten bestäubt. Wenn hier Samen gebildet werden soll, muss die Blüte von Hand bestäubt werden. Im Botanischen Garten hat sie einen exponierten Platz und kommt wunderschön zur Wirkung.

 

Auf dem Bild vor den Yuccas halb links wirkt etwas verloren eine alpine Pflanze, welche jeder Gebirgswanderer schon einmal sah: der Weiße Germer – Veratrum album.


Veratrum album

Er gehört zur Familie der Germergewächse und fühlt sich auf den Hochstaudenfluren der Alpen zwischen Orchideen, Eisenhut und Paradieslilien wohl, wo es ausreichend feucht ist . Allerdings ist Vorsicht geboten! Er ist in allen Teilen giftig. Die Almbauern reisen ihn oft heraus, weil so manche unerfahrene Kuh schon daran herum gefressen hat und sich vergiftet hat. Aus ihm wird die Droge Rhizoma veratri gewonnen, welche mehrere Alkaloide enthält und für die Behandlung von Diarrhoe nützt. Selbst bei schwersten Fällen kann diese Arznei die Reaktionskraft des Körpers und die Organe wieder beleben. Vorkommen sind Europa, N-Afrika und N-Asien. Im Botanischen Garten blüht auch der Schwarze Germer, welcher von Europa über Sibirien bis China und Korea vorkommt. Er blüht rotbraun bis schwarz.

 

Mit der dritten hier vorgestellten Pflanze gehen wir nochmals nach Nordamerika. Von S-/W-Oregon bis Kalifornien ist die Staudenaralie - Aralia californica beheimatet.


Aralia californica

Sie gehöhrt zu den Araliengewächsen und wurde 1876 von Sereno Watson, einem nordamerikanischen Botaniker beschrieben. Sie steht im hinteren Teil des Garten am halbschattigen Wegrand. Die Blüten hängen voll mit Insekten und Ameisen und sie hat wunderschöne Blätter... Einfach mal kommen und anschauen. Sie ist eine wunderschöne Pflanze, auch für Nichtalpinpflanzenliebhaber.

Holger Puchta, Verein Botanischer Garten Adorf

 

 

 

Juli 2016

Durchwachsenes Wetter lässt die Pflanzen zur Zeit nicht so leiden wie im vorigen Jahr. Von weiten sichtbar sind vom Hochsommer bis in den Frühherbst im Botanischen Garten die Blütenstände des Eberrauten-Greiskrautes – Senecio abrotanifolius.

                      

Der Wanderer findet es in den nördlichen oder südlichen Kalkalpen in der Krummholzzone zwischen Latschenkiefern mit denen es sich gerne vergesellschaftet. Es wächst in einer Höhe von ca. 1600 – 2600 m. Es ist mehrjährig, die Blütenfarbe geht von dunkelgelb bis orange. Relativ selten kommt es vor. In Deutschland existiert es nur in den Berchtesgadener Alpen. Bei uns im Botanischen Garten hat es eine größere Fernwirkung als in der Natur durch den Einzelstand. Am Naturstandort fällt es im Zwergstrauchgebüsch nicht so ins Auge. Die Gattung Senecio beinhaltet über 1000 Arten und gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae)

Ebenfalls zu den Korbblütlern gehört das so gut wie jedem bekannte Edelweiß unserer Alpen – Leontopodium alpinum bzw. Leontopodium nivale mit mehreren Unterarten.

              

Edelweißarten kommen hauptsächlich in Asien vor. Unser europäisches Edelweiß ist mit dem Rückgang des Eises zur letzten Eiszeit nach Europa eingewandert. Der Name Leontopodium setzt sich aus Leon – Löwe und Podion – Füßchen zusammen, also Löwenfüßchen. Der Name erschien erstmals 1785 in Tirol. Er bezieht sich auf die Optik der Blüte. Um die eigentlichen kleinen gelblich weißen Blüten in der Mitte befinden sich sternförmig angeordnete Hochblätter. Diese Bild gibt es auf unzähligen Münzen, Wappen, Briefmarken und Lederhosen. Edelweiß und Enzian sind die „Wappenpflanzen“ der Alpen. Wer Edelweiß im Steingarten pflegen will, sollte folgende Hinweise beachten: Die Pflanze benötigt volle Sonne, lehmhaltigen, steinigen, basischen (Kalk)  Boden ohne Humus. Um sich lange an dem Edelweiß zu freuen, muss es alle paar Jahre geteilt und umgepflanzt werden. Der Boden sollte nicht austrocken. In den Alpen wächst die Pflanze bis über 3000 m. 

Eine weitere sehr populäre Alpinpflanze ist der Spinnwebenhauswurz – Sempervivum arachnoideum.

       

Er gehört in die Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae). Im Gegensatz zum  Kreuzkraut und Edelweiß (nördliche / südliche Kalkalpen), kommt der Spinnwebenhauswurz vorwiegend in den inneren Ketten der Alpen auf Silikatgestein vor und wächst bis in Höhen von ca. 2900 m. Weitere Vorkommen sind die Pyrenäen, die Karpaten und der Appenin. Die Rosettengröße variiert von 0,5 – 2,5 cm. Er bildet dichte Matten und kriecht über Felsbänder und Steine. Die spinnwebenartigen Haare ziehen sich von Blattspitze zu Blattspitze und geben dem Hauswurz den Namen. Die prächtigen rosaroten Blüten haben eine größere Leuchtkraft als die anderer Sempervivumarten. Er braucht Wurzeldruck – also in Steinspalten, kleine Töpfe, Tröge o.Ä. pflanzen. 

Holger Puchta, Verein Botanischer Garten Adorf

 

 

Juni 2016

Niederschlagsmengen und Temperaturen der letzten Wochen haben unseren Botanischen Garten in ein wahres Blütenmeer verwandelt, so dass es sehr schwer fällt, wenige Pflanzen aus der Vielfalt der gerade blühenden Spezies vorzustellen.

Ein zunächst recht unauffälliges, aber bei genauerem Hinsehen sehr reizvolles Kleinod aus den Bergen des Kaukasus ist der rosa blühende Mauerpfeffer Sedum pilosum (Synonym: Rosularia pilosa).

Die Pflanze ist zweijährig. Sie wächst in Höhen zwischen 1800m und 2600m. Die sukkulenten Blätter bilden im ersten Jahr eine behaarte Rosette von 1-2cm Durchmesser, aus welcher im Folgejahr ein Blütenstand mit rosa Blüten, welche kaum größer werden als 1cm, hervorgeht. Die Pflanzen wachsen in der Heimat gerne auf felsigen Standorten in sonniger Lage. Ihre Vermehrung erfolgt durch Samen.

Im Bereich Balkan blüht zur Zeit die kleine blaue Büschelglocke Edraianthus serpyllifolius.

Die Gattung gehört zu den Glockenblumengewächsen und ist eng mit der Gattung Campanula (Glockenblume) verwand. Unterschiede bestehen vor allem darin, wie sich die reifen Samenkapseln öffnen und ihre Samen freigeben. E. serpyllifolius kommt im Gebiet von Kroatien und Albanien vor. Die Pflanzen bilden kleine Polster mit linealisch-lanzettlichen Blättern. Die Blüten erscheinen einzeln an Stängeln und bilden einen fünfzipfeligen Kelch. Die Glocken sind 2-3cm lang.

Die Gattung umfasst ca. 20 Arten, deren Vorkommen vor allem die Gebirge der Balkan-Halbinsel und Italiens sind. Sie lieben felsigen, kalkhaltigen Untergrund. Der wissenschaftliche Name der Gattung leitet sich vom griechischen „hedraîos“ ab, was so viel bedeutet wie „sitzend, festsitzend“ und sich auf die Stellung der Blüten im Polster bezieht.

Vermehrt wird Edraianthus durch Samen oder im Frühjahr gewonnenen Stecklingen von Seitensprossen.

Weiterhin blüht zur Zeit eine besondere Pflanze, nämlich die attraktivste einheimische Orchidee, der Europäische Frauenschuh Cypripedium calceolus.

Keine der in Deutschland vorkommenden Orchideen hat größere Blüten. Der Name der Pflanzen leitet sich von der bauchig aufgeblasenen Lippe der Blüten, die an einen Schuh erinnert, ab.

Die Gattung Cypripedium umfasst ca. 50 Arten, die in Nordamerika, Europa und Asien vorkommen.
Wie alle Orchideenarten benötigt auch der Frauenschuh zu seiner Vermehrung einen Symbiosepilz, da die winzigen staubfeinen Samen über kein eigenes Nährgewebe verfügen.

Dieser im Boden lebende Pilz versorgt die Orchidee im Anfangsstadium ihres Wachstums mit den lebensnotwendigen Nährstoffen. Bei uns wächst der Frauenschuh bevorzugt auf kalkhaltigem Untergrund in lichten bis halbschattigen Wäldern, wie sie z.B. in einigen Gegenden Thüringens vorkommen. Die Pflanze ist stark gefährdet und wie alle Orchideenarten streng geschützt.

Dr. Peter Renner
Verein Botanischer Garten Adorf 

 

 

Mai 2016

Alles neu macht der Mai – auch in diesem Jahr wieder. Der Spruch bezieht sich vor allem auf die sommergrünen Laubgehölze, welche die Natur jetzt in einer unvergleichlichen Vielfalt an Grüntönen erstrahlen lässt.

Aber auch im Bereich der Stauden tut sich so einiges. Waren die letzten Apriltage recht kühl, vor allem in den Nächten, so können wir noch zahlreiche Vertreter der Frühblüher beobachten. Da wären beispielsweise die Kuh- oder Küchenschellen – botanischer Gattungsname Pulsatilla. In der nördlichen Hemisphäre, also in Nordamerika und Eurasien gibt es ca. 30 Arten, in Deutschland und den angrenzenden Gebieten ca. 10 Arten und Unterarten. Die Gattung gehört zu den Hahnenfußgewächsen, früher wurden ihre Mitglieder noch zur Gattung Anemone gezählt. Charakteristisch sind ihre Horste mit rosettenförmigen, farnartigen Blättern, die stark behaart sind. Die Blüten sind weiß, gelb, rosa, rot oder violett.

   

Abb.1                                                          Abb.2

(Abbn. 1 und 2). Sehr attraktiv sind auch ihre später erscheinenden sternförmigen Frucht- und Samenstände.

Weit verbreitet, z.B. auf den Kalktrockenhängen in Thüringen, ist die violett blühende Gewöhnliche Küchenschelle Pulsatilla vulgaris. Von der Alpenküchenschelle Pulsatilla alpina gibt es weiß und gelb blühende Unterarten. In der Türkei, im Kaukasus und Iran ist die gelb blühende Art Pulsatilla albana (Abb. 2) beheimatet.

Die Pflanzen gedeihen gut in kies- und geröllhaltigem Boden in halbschattiger bis vollsonniger Lage. Die Vermehrung erfolgt durch Samen oder Teilung der Pflanzen.

 

Ist die Gattung Pulsatilla noch recht übersichtlich, so sieht es bei den Primeln schon ganz anders aus. Die Gattung Primula umfasst ca. 400 Arten, hinzu kommen noch unzählige Kulturformen mancher Arten; bei der Auricula-Gruppe waren es bis 1000 (!!) verschiedene Varianten. 

Vielen sind die einheimischen Primeln, die gerne auch mal als „Himmelsschlüssel“ bezeichnet werden, bekannt. Das sind die in Wiesen und lichten Wäldern gelb blühenden Arten Primula elatior, die Hohe Schlüsselblume, auch als Waldschlüsselblume oder Große Schlüsselblume bezeichnet und Primula veris, die Echte Schlüsselblume (Synonyme: Wiesenschlüsselblume, Duftende Schlüsselblume oder Himmelsschlüssel).

  Abb.3

Im Botanischen Garten blüht zur Zeit die leuchtend dunkel-rosarote Rosenprimel Primula rosea im Bereich des westlichen Hanges zum Weg (Abb.3). Dort ist es recht schattig und ein wenig feucht, was der aus dem Himalaja stammenden Art sehr zusagt. Sie ist kaum höher als 10-15cm, streckt sich aber im Verlauf des Wachstums noch ein wenig. Sie wächst bei uns auch auf richtig feuchten Standorten wie Teichrändern.

Die Art wurde schon 1831 aus dem in indischen Garhwal-Himalaja nach Europa gebracht.

In ihrer Heimat wächst sie zwischen 2700 und 4000 m Höhe.

Von dieser Art gibt es mittlerweile auch einige Auslesen, also Zuchtformen mit besonderen Eigenschaften.

Abb.1: Große Küchenschelle, Pulsatilla grandis

Abb.2: Kaukasische Küchenschelle, Pulsatilla albana

Abb.3:  Rosenprimel, Primula rosea

Dr. Peter Renner
Verein Botanischer Garten Adorf 


April 2016

 

Lange mussten wir warten, bis nach dem relativ kühlen März die Blühsaison in unserem Botanischen Garten wieder richtig Fahrt aufgenommen hat, wenn auch die ganz große Blütenpracht noch nicht erreicht ist.

Im zeitigen Frühjahr gehören Schneeheide, einige Steinbreche und Hungerblümchen sowie Primeln zu den ersten Blühern.

Im Botanischen Garten Adorf blühen zur Zeit auch die Schneerosen (z.T. schon länger). Vielen sind sie auch unter dem Namen Christrose, Lenzrose oder Nieswurz bekannt. Der botanische Gattungsname ist „Helleborus“; sie gehören zur Familie der Hahnenfußgewächse. Die Gattung umfasst 15-20 Arten, welche von Westeuropa bis Zentralasien verbreitet sind. Die Bezeichnung „Nieswurz“ rührt daher, dass pulverisierte Wurzeln einen Niesreiz ausüben. Die Pflanzen sind 10-30cm hoch, selten höher. Es sind ausdauernde Pflanzen mit großen gefiederten Laubblättern. Die Blütenfarben reichen von weiß über grünlichweis, rosa bis violett, ihr Durchmesser schwankt zwischen 5 und 10cm. Die Blüte selbst besteht aus 5 auffälligen Kelchblättern, die Kronblätter sind viel kleiner.

  

Bei uns häufig kultivierte Arten sind die Schneerose Helleborus niger, die Purpur-Nieswurz Helleborus purpurascens, die Stinkende Nisewurz Helleborus foetidus und die Grüne Nieswurz Helleborus viridis. Letztere ist in Westeuropa beheimatet.  Mittlerweile gibt es zahlreiche Hybriden (Zuchtformen).

Von der Antike bis ins Mittelalter hatte die Nieswurz als Gift- und Heilpflanze eine Bedeutung. Inhaltsstoffe sind Saponine sowie herzwirksame Glykoside, die den Inhaltsstoffen des giftigen Fingerhutes ähneln.

 

Stellen die Christrosen doch recht stattliche Erscheinungen im Gartenbild dar, muss man bei einer andern Pflanze, welche jetzt im Bereich Pflanzen der Karpaten blüht, schon genauer hinsehen. Es handelt sich dabei um die kleinen Blüten der Berg-Schaftdolde oder auch Goldteller genannt, Hacquetia epipactis. Es sind kleine Doldenbüten; zur Gattung Hacquetia gehört nur diese eine Art. Sie wurde nach dem österreichischen Arzt Belsazar Hacquet (1740-1850) benannt.

Die Pflanze wird nicht viel höher als 10-15 cm. Auffällig sind 5-6 gelblichgrüne Hüllblätter von 2-3cm Länge, in deren Zentrum sich die nur 1,5 mm langen Blüten mit gelben Kronblättern befinden. Die Laubblätter sind grundständig, lang gestielt, 3-5 fach geteilt und gezähnt.

Die Heimat der kleinen Seltenheit sind Teile der Alpen und die Karpaten. Dort wächst sie auf Kalk bis in die subalpine Höhenstufe auf eher frischen, halbschattigen Standorten mit humosem durchlässigem Boden.

Eine Vermehreng in Kultur ist durch Aussaat und Teilung möglich. Mittlerweile existiert auch eine Auslese-Form mit grünweißen Hochblättern (Form „Thor“).

Dr. Peter Renner
Verein Botanischer Garten Adorf 

 

 

 

September 2015

 

Mit dem beginnenden September setzt auch in unserem Botanischen Garten deutlich erkennbar der Herbst ein, wenn es bis zum kalendarischen Herbstanfang auch noch ein paar Tage sind. Die vergleichsweise hohen Temperaturen an vielen Tagen im Juli und August und die damit verbundenen geringen Niederschlagsmengen bewirkten, dass viele Pflanzen schneller verblühten als in anderen Jahren. So ist jetzt die Anzahl der noch blühenden Arten auch recht überschaubar. An mehreren Stellen im Garten blühen (blau und weiß) prächtige Stauden des Schwalbenwurz-Enzians (wir hatten diese Art im vorigen Jahr vorgestellt).

Im Bereich der Moorbeet-Pflanzen (ganz hinten) kann man noch Einiges entdecken: Die Rausch- oder Trunkelbeere (Vaccinium uliginosum) fällt durch ihre blauen Früchte an kleinen Büschen auf. Auch die Früchte der Moosbeeren (Vaccinium oxycoccus und V. macrocarpon) reifen zurzeit. Besonders interessant im Bereich der Moorbeete sind die Schlauchpflanzen.

(Gelbe Schlauchpflanze, Sarracenia flava)

Diese gehören, wie auch beispielsweise der Sonnentau oder das Fettkraut zu den Karnivoren oder „fleischfressenden“ Pflanzen. Diese Pflanzen besiedeln sehr nährstoffarme, besonders stickstoffarme Biotope und durch die Verdauung gefangener Kleintiere, sehr oft Insekten, verschaffen sie sich zusätzlichen Stickstoff. Dabei sind die Fangstrategien sehr unterschiedlich. Bei der Schlauchpflanze ist ein Blatt zu einem Schlauch umgeformt. Durch Färbung und Duft werden Insekten angelockt, stürzen in den Schlauch, aus dem sie sich nicht mehr befreien können. Durch eine im Schlauch befindliche Flüssigkeit werden sie schließlich verdaut. Die gelbe Schlauchpflanze hat ihre angestammte Heimat in Sumpfbiotopen im Südosten der USA; durch Biotopzerstörung ist sie sehr stark gefährdet.

Eine sehr auffällige jetzt blühende Art im Bereich „Asien“ ist der Japanische Goldkolben (Ligularia dentata). Die Pflanze, die auch oft unter dem Namen Greiskraut oder Kreuzkraut geführt wird, ist ein Korbblütler, der bis über einen Meter hoch werden kann. Neben seinen leuchtend gelben Blüten sind auch die großen Blätter sehr attraktiv. Leider finden dies offensichtlich auch die Schnecken, denn oftmals sind die Blätter regelrecht durchlöchert und abgefressen. Die Pflanzen gedeihen in einem humusreichen, frischen bis feuchten Boden in sonniger bis halbschattiger Lage

(Japanischer Goldkloben, Ligularia dentata)

Ein weiterer „Farbklecks“, diesmal in rot, findet sich im Bereich „Balkan“. Dort blüht jetzt noch ein großer Bestand der Leimkraut-Art Silene paradoxa, welche im Mittelmeergebiet von Frankreich bis Griechenland beheimatet ist.

(Leimkraut , Silene paradoxa)

Die Gattung Silene umfasst mehrere hundert (600-700) Arten. Ihr Verbreitungsschwerpunkt ist die Nordhalbkugel. Unter ihnen befinden sich sowohl ein- und zweijährige Arten wie auch ausdauernde Stauden. Eine Vermehrung durch Samen ist für viele Arten leicht möglich.

Dr. Peter Renner
Verein Botanischer Garten Adorf 

 

August 2015

Die sommerliche Witterung der letzten Tage und Wochen hat auch im Botanischen Garten Adorf ihre Spuren hinterlassen. Hohe Temperaturen und Trockenheit führen zudem dazu, dass Pflanzen noch schneller verblühen als unter „gemäßigteren“ Bedingungen. Dominierten viele kleinere Pflanzen die ersten Monate im Gartenjahr, finden sich jetzt viele ansehnliche Stauden in Hochblüte.

Im hinteren Teil unseres Gartens fällt dabei eine größere Fläche auf, die mit Taglilien-Hybriden (Hemerocallis) bepflanzt ist.

 

Taglilien sind keine „echten“ Lilien, wie z.B. die Feuerlilie oder die Türkenbundlilie, sie gehören der Gattung Hemerocallis an, die wiederum zur Unterfamilie der Tagliliengewächse gehört. Ihr Namen ist aus dem Griechischen abgeleitet (hémra = Tag; kállos=Schönheit), da die Einzelnen Blüten nur für einen Tag geöffnet sind.

Die Pflanzen wachsen in Horsten mit oftmals verdickten Wurzeln; die bodennahen Blätter sind lang, linealisch. Bei den trichterförmigen Blüten mit 6 Blütenblättern, die an der Basis verwachsen sind, dominieren Farben von reinem gelb bis zu dunkleren Rottönen. Auch zweifarbige Varianten sind möglich.

 

Das Verbreitungsgebiet der Taglilien reicht von Mitteleuropa bis Ostasien. Hybriden der Gelbroten Taglilie (Hemerocallis fulva) sind als Gartenpflanzen weit verbreitet. Es gibt über 10000 verschiedene Hybriden. Die Blüten einiger Arten sind essbar und haben auch Eingang in die traditionelle chinesische Medizin gefunden.

Im Bereich der Farne und deren Begleitpflanzen blühen zur Zeit noch einige Funkien (Hosta).

 

Viele Funkien-Arten stammen ursprünglich aus dem japanischen Raum und angrenzenden Arealen. Ca. 40-45 Arten umfasst die Gattung Hosta. Es sind ausdauernde krautige Pflanzen. Die Laubblätter sind grundständig mit langem Stängel. Der Blütenstand ist traubenförmig, die Einzelblüten von weißer bis blauer Farbe bestehen aus 6 glockenförmig bis röhrig verwachsenen Blütenblättern. Funkien bevorzugen schattige bis halbschattige Bereiche im Garten und eine frischen Boden. Die Kultur gilt bei uns als problemlos. Vermehrt werden Funkien durch Samen oder Teilung von Rhizomen, um sortenreine Klone zu erhalten. Ein besonderes und beliebtes Merkmal der Funkien iks ihre oftmals sehr schöne Blattfärbung bzw. Musterung.

Im Bereich „Alpen“ blühen gegenwärtig mehrere ansehnliche Exemplare der Silberdistel Carlina acaulis.

 

Die Art ist Europa verbreitet von Spanien bis zur Ukraine. Ihr bevorzugter Standort ist ein kalkreicher Magerrasen in warmen Lagen mit nur geringer Humusauflage. In den Alpen steigt sie bis 2800m auf. Es gibt 2 Unterarten (Subspezies acaulis und caulescens), die sich vor allem durch die Form der Blätter unterscheiden. Im Verbreitungsgebiet existieren zahlreiche Trivialnamen, wie z.B. Eberwurz, Wetterdistel u.a. Das Rhizom enthält ein ätherisches Öl und wurde früher in der Volksmedizin z.B. als Grippemittel verwendet.

Dr. Peter Renner
Verein Botanischer Garten Adorf

 

 Juli 2015

 

Nun ist die erste Hälfte des Jahres 2015 bereits Geschichte, aber die Blütenpracht in unserem Botanischen Garten hält unvermindert an. Die Pflanzen des Frühjahresaspektes sind verblüht, die Sommerblüher laufen zur Hochform auf.

Diesmal sollen einige Pflanzen aus ganz unterschiedlichen Familien vorgestellt werden, die jede für sich doch etwas Besonderes darstellen.

So blüht im Kalktuff-Bereich gerade der Pyrenäen-Steinbrech (Saxifraga longifolia). Unter den vielen Steinbrech-Arten (die Gattung wurde schon im April vorgestellt) ist der Pyrenäen-Steinbrech (auch als Königs-Steinbrech bezeichnet) ein wahres Schmuckstück.

Bereits die bis zu 20cm im Durchmesser messende Blattrosette, die oftmals in senkrechten Spalten anzutreffen ist, ist eine sehr auffällige Erscheinung. Aus ihr entwickelt sich eine Blütenrispe mit bis zu 1000 kleinen weißen Blüten, die bis 70cm lang werden kann. Nach der Samenreife stirbt die Pflanze ab, weshalb die Vermehrung durch Samen erfolgen muss. Einige Hybriden dieser Art bilden Tochterrosetten aus. Die Art wächst in den Pyrenäen auf Kalk in sonnigen bis halbschattigen Lagen bis in Höhen von 2000m. Die Zeit von der Aussaat bis zur Blüte dauert ca. 5 Jahre.

Eine weitere, aber eher auf den ersten Blick unscheinbare, da kleinere Pflanze aus dem Kalktuff-Bereich ist die Schopf-Teufelskralle (Physoplexis comosa).

Früher wurde diese Art zur Gattung Phyteuma innerhalb der Pflanzenfamilie der Glockenblumengewächse gestellt. Jetzt bildet sie eine eigene Gattung, deren einzige Art sie ist. Die Schopf-Teufelskralle ist eine Pflanze der südlichen Kalkalpen, wo sie bevorzugt in Höhenlagen zwischen 1000 und 1700m wächst. Die ausdauernde Pflanze wird 5-15cm hoch mit in ihrer Form recht auffälligen blass-lila Blüten, die an der Spitze dunkelviolett sind.

Die Kultur der Pflanze ist nicht ganz unproblematisch; hinzu kommt, dass auch die Schnecken diese Art „zum Fressen gern“ haben.

Wir verlassen nun den Kalktuff-Bereich und begeben uns nach „Nordamerika“ im hinteren Bereich unseres Gartens. Hier blüht zur Zeit die Riesen-Stendelwurz (Epipactis gigantea) in einem sehr ansehnlichen Bestand mit Dutzenden von blühenden Pflanzen.

Sie ist ein Vertreter der Pflanzenfamilie der Orchideen, der artenreichsten Pflanzenfamilie überhaupt. Sind viele Orchideen nur sehr aufwendig zu kultivieren, so gelingt dies bei der Riesen-Stendelwurz eher leicht. In ihrer nordamerikanischen Heimat wächst die Pflanze mit den vergleichsweise großen Blüten innerhalb der Gattung Epipactis bevorzugt auf feuchten Standorten, in Kultur nimmt sie aber auch mit trockenerem Terrain Vorlieb. Sonnige Standorte werden dabei ebenso wie halbschattige toleriert.

Im Vogtland wächst eine nahe Verwandte der Riesen-Stendelwurz, nämlich Epipactis palustris, die Sumpf-Stendelwurz, oder auch Sumpf-Sitter. Vorkommen gibt es im ehemaligen Grenzstreifen bei Heinersgrün sowie in einem Hangmoor bei Cunsdorf.

Dr. Peter Renner
Verein Botanischer Garten Adorf 

Juni 2015

 

So, wie der Mai zu Ende gegangen ist, so setzt sich der Blütenreigen auch im Juni fort. In allen Abteilungen unseres Botanischen Gartens findet man blühende Arten, wenn auch nicht überall in gleichen Menge. Interessante Arten kann man fast immer im Kalktuffbereich finden. So blüht dort momentan die Silberwurz, Dryas octopetala.

 
Silberwurz (Dryas octopetala)
 

Der Name „octopetala“ verweist auf die meist zu acht vorhandenen Blütenblätter. Das ist für die Pflanzenfamilie der Rosengewächse, zu denen die Silberwurz gehört, nicht eben typisch, meistens sind dort 5 Kronblätter vorhanden. Die Silberwurz ist ein immergrüner Spalierstrauch mit verholzenden Trieben. Sie wird in der Regel nur 5 bis 15cm hoch und kann dabei sehr große Polster bilden. Die Pflanze kann bis zu 100 Jahre alt werden. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von den Alpen bis in die Tundrengebiete der arktischen Regionen, auch in Nordamerika. Eine Hybride der Silberwurz wird gelegentlich Gartenpflanze unter der Bezeichnung „ Dryas x sundermannii „verkauft. Eine Vermehrung ist durch Stecklinge möglich.

Ebenfalls im Kalktuff-Bereich ist zurzeit eine weitere sehr interessante Pflanze blühend anzutreffen, nämlich der Pyrenäen-Felsenteller, Ramonda myconii.

 
Pyrenäen-Felsenteller (Ramonda myconii)
 

Die Gattung Ramonda besteht aus nur drei Arten und gehört zu der sehr interessanten Pflanzenfamilie der Gesneriaceae, zu welcher auch solche bekannten Arten, wie das Usambaraveilchen, die Gloxinie oder der Schiefteller und die Drehfrucht gehören. Der Pyrenäen-Felsenteller liebt Kalk als Gestein, in welchem er gerne in schattigen, oft nach Norden gerichteten Fugen, die auch gelegentlich von Wasser überrieselt werden, wächst. Eine Vermehrung von Ramonda ist mit etwas Geduld mit Hilfe von Blattstecklingen möglich. Außer in den Pyrenäen kommt die Art auch auf dem Balkan vor, und zwar in Höhen bis 2000m. Neben der hell-blauvioletten Form gibt es auch blass-rosa bis fast weiße Formen.

Wir verlassen nun den Kalktuff-Bereich und begeben uns in den Bereich, in welchem Pflanzen aus Nordamerika zu finden sind; das ist ganz hinten.

Dort fallen zurzeit die üppigen Blütenstände des Bartfadenns (Penstemon) auf.

 

 

Menzies Bartfaden (Penstemon menziesii)
 

Der Bartfaden gehört zur Pflanzenfamilie der Wegerichgewächse. Die über 250 Arten umfassende Gattung ist auf den nordamerikanischen Kontinent begrenzt. Es sind Pflanzen, die krautig sind oder auch kleine Sträucher bilden können; die Höhe bewegt sich im Bereich von 10 cm bis 3m. Die Blüten bilden ein 5-zählige Kronröhre. Sie sind entweder weiß oder rosa bis blau und violett gefärbt. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es in Europa viele Zuchtformen und Hybriden dieser Pflanzengattung, von denen einige Eingang in unsere Gärten gefunden haben.

Die Frosthärte der einzelnen Arten ist unterschiedlich. Pflanzen sollte man sie in einen humusreichen Boden am sonnigen Standort. Die Vermehrung ist sowohl durch Samen möglich wie auch Teilung der Pflanzen oder Stecklinge (vor allem bei Hybriden).

Dr. Peter Renner
Verein Botanischer Garten Adorf

 

Mai 2015

 

Einer der schönsten Monate des Jahres ist unbestritten der Monat Mai. Wenn die Natur mit ihren vielen Grüntönen und einem wahren Farbenrausch den Frühsommer einleitet, beginnt auch im Botanischen Garten die blütenreichste Zeit des Jahres.

Nachdem sich in diesem Jahr bereits der April von seiner besten Seite zeigte, verblühte manche Frühlingsschönheit, wie Christrose (Helleborus) und Hundszahn (Erythronium) durch die ungewöhnliche Wärme schneller als in den anderen Jahren. Von letzterer ist noch die wunderbare Sorte "Pagoda" mit ihren zarten gelben Glöckchen im Bot. Garten zu sehen. Auch stehen z. Zt. die Kuhschellen (Pulsatilla) und Alpenaurikel (Primula auricula) in voller Blütenpracht und die hübschen Zwergschwertlilien, welche wir in vielen Farben im Garten finden, sind immer eine Augenweide.

Eine besondere Aufmerksamkeit gilt jedoch zwei ausgesprochenen Schönheiten, einmal dem gerade erblühten Frühlings - Adonisröschen (Adonis vernalis) sowie der für den Mai typischen Pflanze, der Pfingstrose (Paeonia).


Adonisröschen (Adonis vernalis)

Das genannte Adonisröschen, eine ausdauernde, frostharte Pflanze aus Osteuropa, besitzt sehr schmale, fast nadelartige, feingefiederte Blätter, wobei die obersten einen Büschel bilden, aus dem dann die zarte schlüsselförmige gelbe Blüte entspringt. Die attraktive Pflanze kommt in der Natur auf Trockenwiesen und kalkhaltigen, felsigen Orten vor. Sie lässt sich aufgrund einer langen holzigen Pfahlwurzel schwer umpflanzen, daher ist die Vermehrung durch Samen besser. Sie kann mit einer kleinen jährlichen Humus- und Kalkgabe viele lange Jahre am gleichen Ort in voller Sonne stehen. Unser zweites Highlight, in voller Blüte ab Mitte Mai, ist die Netzblatt Pfingstrose (Paeonia tenuifolia), die Kleinste aller Paeonien und wunderbar für den Steingarten geeignet. Die herrlichen purpurroten Blütenschalen mit vielen gelben Staubgefäßen stehen dicht über den netzartig, fein geschlitzten Blättern, die dieser Pfingstrose ihren Namen verleihen. Eine zarte, elegante und dennoch robuste Pfingstrose, die einen durchlässigen und sonnigen Standort liebt und bei richtiger Pflege auch im heimischen Garten gedeiht.


Netzblatt Pfingstrose (Paeonia tenuifolia)

Auch sie hat, wie das Adonisröschen, ihren Ursprung in Südosteuropa, dem Kaukasus und Kleinasien und ist im Botanischen Garten Adorf auch in diesen Bereichen zu finden. Natürlich gibt es im Botanischen Garten noch mehrere weitere Arten aus der Familie der Pfingstrosengewächse zu sehen. Dazu gehören u. a. auch verschiedene Strauchpfingstrosen, welche jedoch erst Ende Mai, Anfang Juni ihre prachtvollen Blüten öffnen.

Es ist also durchaus lohnenswert unseren Botanischen Garten hin und wieder einen Besuch abzustatten, wobei man jedes Mal auf andere botanische Kleinode stößt. So kann man z. Bsp. mit einer Jahreskarte für Erwachsene für gerade einmal 12,- € beliebig oft den Garten und das angrenzende Klein-Vogtland besuchen und anschließend einen Snack, im seit 2014 neu eingerichteten Imbiss, in der schönen Anlage genießen. 

Die Mitglieder des Vereins Botanischer Garten Adorf e. V. laden sie herzlich zu einem Besuch ein.
Gisela Prager
Verein Botanischer Garten Adorf e. V.

 

 

April 2015

 

Es ist noch gar nicht so lange her, da bedeckte eine dicke Schneedecke die Pflanzen im Botanischen Garten.

Nun hat der Frühling schon seit einiger Zeit Einzug gehalten, und im März / April öffnen sich schon bei vielen Pflanzen die Blüten. Zu den allerersten unter ihnen gehören die Schneeglöckchen, Winterlinge, frühjahrsblühende Alpenveilchen, Krokusse, Märzenbecher, Leber-blümchen und andere mehr.

Eine Pflanzenfamilie zeigt sich ab Anfang April, manchmal auch schon im März in besonderer Vielfalt und Farbenpracht: Es sind die Steinbreche (Saxifragaceae). Diese artenreiche Pflanzenfamilie zählt über 450 Arten, die meist in den nördlichen gemäßigten Zonen verbreitet sind. Einige haben auch arktische Bereiche, z.B. in Grönland; erobert oder erreichen im Hochgebirge die 4500-Meter-Marke.

Hinzu kommen noch zahlreiche, oft sehr lokal verbreitete Unterarten und von Menschen durch Züchtung geschaffene Kultivare.

Der Name „Steinbreche –Saxifraga“ wurde schon in der Antike benutzt, weil man glaubte, die oft in Felsspalten wachsenden Pflanzen würde den Stein spalten – brechen.

 

Steinbrech (Hybride)

Eine andere Namensinterpretation beruht darauf, dass eine Art (Saxifraga granulata) im Mittelalter gegen Blasensteine angewandt wurde und diese gewissermaßen „brach“.

In Mitteleuropa kommen 45 Steinbrecharten vor. Ihre Domäne ist das Hochgebirge. Wenn Kalk der geologische Untergrund ist, ist die Artenvielfalt besonders groß.

Aber auch im Vogtland kann man eine Steinbrech-Art auf Wiesen finden, nämlich den Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata).

In unseren Botanischen Garten beginnen die Steinbreche gerade erst, ihre volle Blütenpracht zu entfalten.

Schneeheide (Erica carnea)

In Hochblüte steht dagegen die Schneeheide (Erica carnea). Wie der Name erahnen lässt, öffnet sie in manchen Jahren ihre Blüten schon, während noch Schnee liegt. Im Garten sind die violett blühende Pflanzen und eine weißblühende Zuchtform angepflanzt.

Die Schneeheide ist außer, dass sie heute in vielen Gärten in Kultur anzutreffen ist, ein geobotanisches Kleinod des Oberen Vogtlandes. Sie erreicht hier ihre absolute Nordgrenze des Gesamtver-breitungsareales. Ist sie weiter südlich, z.B. in den Alpen häufig, so sind die aktuellen Fundorte im Oberland, z.B. bei Bad Brambach, Landwüst, Rohrbach eher rar.

Dort besiedelt sie lichte, hohe Nadelwälder. Nehmen die größer werdenden Bäume zu viel Licht, wächst sie schlechter oder verschwindet gar vollkommen.

Die Art ist streng geschützt.

 

Schneeheide; weisse Zuchtform

Autor: Dr. Peter Renner
           Verein Botanischer Garten Adorf

 

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