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Was blüht jetzt im Botanischen Garten Adorf

August 2018

Der Witterungstrend der letzten Wochen hat sich fortgesetzt: Die Temperaturen waren sommerlich hoch und die Niederschläge außergewöhnlich gering. Dazu kam noch ein hoher Verdunstungsgrad, oftmals begünstigt durch mäßigen Wind. Entsprechend hoch war der Aufwand, welcher mit der Bewässerung der Anlage betrieben werden musste, um Trockenschäden in engen Grenzen zu halten, was auch gut gelang.

Der Hochsommer ist üblicherweise eine Domäne der Staudenblüte, so auch jetzt. Im Bereich Asien blüht nun beispielsweise die Prachtspiere.

                  Astilbe chinensis var. pumila

Die Pflanzengattung umfasst 14 Arten. Sie hat als attraktive und pflegeleichte Staude, auch in Form von vielen Hybriden, schon sehr lange Einzug in unsere Gärten gehalten. Besonders beliebt und verbreitet sind die „Arendsii-Hybriden“, Züchtungen des deutschen Staudengärtners Georg Arends. Die zu den Steinbrechgewächsen zählende Gattung ist hauptsächlich in Ostasien beheimatet, in Nordamerika kommt eine Art vor. In ihrer Heimat kommen die Prachtspieren häufig in Wäldern vor oder auf feuchten Standorten, z.B. an Bächen. Auch bei uns sollte sie auf Standorten kultiviert werden, die nicht so leicht austrocknen. Eine Vermehrung kann durch Teilen im Frühjahr erfolgen. Die Pflanzen können Wuchshöhen von weit über einem Meter erreichen, es gibst aber auch zwergige Formen, wie die hier vorgestellte Varietät. Die rispigen Blütenstände enthalten viele hundert kleine Einzelblüten in Farbtönen zwischen Rot und Weiß.

Ebenfalls im Bereich Asien unserer Anlage fallen zurzeit viel niedrige intensiv blau blühende Stauden auf. Es handelt sich dabei um aus Japan stammende Enziane.

   Gentiana nipponica

Die Art stammt. Wie der Artnamen „nipponica“ erahnen lässt, aus Japan, wo sie bis in 2800m Höhe vorkommt.

Ihre Stiele sind 20-30cm lang, wachsen kriechend und tragen leuchtend blaue, 2cm lange Blüten an ihren Enden.

Die Pflanzengattung Gentiana, Enzian, umfasst ca. 400 Arten, meist Stauden aber auch einige zweijährige Arten. Die meisten Vorkommen befinden sich in der gemäßigten Zone der Nordhalbkugel, einige kommen in den Anden vor. Die Farbe der Blüten ist häufig blau in unterschiedlichen Tönen. Es gibt aber auch weiße, gelbe und violette Arten. Die Wurzel letzterer Arten werden schon seit sehr langem zur Herstellung von Enzian-Schnaps verwendet. In Europa sind sämtliche Enzianarten geschützt. Für die zur Schnapsherstellung genutzten Arten laufen Versuche zur Kultivierung.

Unweit der vorgestellten Enzian Art blüht ebenfalls jetzt im Moorbeet die Gelbe Schlauchpflanze.

  Sarracenia flava

Die Art stammt aus dem Osten Nordamerikas. Die Gattung umfasst 8 Arten. Standorte sind Torfmoore und feuchte Wiesen an Teichrändern. Die Schlauchpflanze gehört zu den sog. „fleischfressenden“ Pflanzen oder Carnivoren, zu denen auch unsere heimischen Sonnentauarten oder das Fettkraut gehören. Derartige Pflanzen wachsen meist auf nährstoffarmen, besonders stickstoffarmen Standorten. Durch den Fang von Insekten erhalten sie zusätzlichen Stickstoff. Bei den Schlauchpflanzen ist ein Blatt zu einem Schlauch geformt, in dessen Innerem sich eine Verdauungsflüssigkeit befindet. In diese fällt das Opfer, welches durch Farbe und Duft der Pflanze angelockt wird.

Dr. Peter Renner
Verein Botanischer Garten Adorf

 

 

Juli 2018

Die letzten Wochen waren bei uns recht trocken und warm bei z.T. kühlen Nächten, Niederschläge fielen nur mäßig. In unserem Botanischen Garten blüht daraufhin eine Fülle von Arten. Viele davon sind schon am Eingangsbereich bei den gartenwürdigen Züchtungen zu bewundern, aber auch in den Bereichen der unterschiedlichen pflanzengeografischen Regionen ist viel Interessantes zu entdecken.

Zwei der heute vorgestellten Arten kommen aus dem Bereich des Kaukasus. Die erste ist gleich ein Kaukasus-Endemit, also eine Art, die nur dort heimisch ist, nämlich die Sarmatische Glockenblume.

 Campanula sarmatica 

Es ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die bis ca. 50cm hoch wird. Die Stängel sind am Grunde verzweigt, an den Enden sitzen hell blauviolette, bis über 3cm lange Blüten, die am Rande auffallend stark behaart sind. In ihrer Heimat kommt die Sarmatische Glockenblume in Höhen zwischen 1400m und 2200m auf felsigen Standorten vor. Bei uns sollte sie an trockenen, sonnigen Plätzen kultiviert werden. Glockenblumen kommen fast weltweit vor, vor allem in der nördlichen gemäßigten bis subarktischen Region. Zwei Verbreitungsschwerpunkte sind der Mittelmeerraum und die Kaukasus-Region. Auch bei uns kann man Glockenblumen leicht finden, so z.B. die Rundblättrige, die Pfirsischblättrige oder die Nesselblättrige Glockenblume.

Unsere zweite Art aus dem Kaukasus ist die Großblütige Betonie.

 Betonica macrantha

Sie ist eine Pflanze der subalpinen bis alpinen Wiesen zwischen 1800m und 2500m, wo sie von Juli bis August blüht. Die zu den Lippenblütlern gehörende Pflanze wird 25-70cm hoch. An den Enden der 4-kantigen Stängel sitzen die violetten Blüten in quirlförmigen Blütenständen, die Einzelblüten werden bis 35mm lang. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über den gesamten Kaukasus, den nordwestlichen Iran und Teile Kleinasiens, also der Türkei.

Die Gattung Betonica wurde früher gelegentlich auch mit der Gattung Stachys, also Ziest vermischt.

Seit 2010 gilt sie als gesichert eigenständig. Die Zahl der Arten innerhalb der Gattung wird zwischen 12 und 17 angegeben. Breit ist das Spektrum der Pflanzeninhaltsstoffe, weswegen manchen Arten der Gattung eine gewisse Heilwirkung, insbesondere aufgrund ihrer beruhigenden Wirkung zugeschrieben wird.

Vom Kaukasus geht es nun auf die Iberische Halbinsel in die Pyrenäen. Dort gedeiht der Pyrenäen-Gamander.

 Teucrium pyrenaicum 

Auch die Gattung Gamander gehört zu den Lippenblütlern. Weltweit existieren ca. 250 Arten, davon kommen 5 auch in Deutschland vor (z.B. Trauben-Gamander und Salbei-Gamander). Der Verbreitungsschwerpunkt ist das Mittelmeer-Gebiet. Der Pyrenäen-Gamander hat einen flachen polsterähnlichen Wuchs. Die weißen Blüten sitzen an endständigen Blütenständen, die im Knospenstadium eine violette Färbung tragen.

Bei uns sollte die Pflanze vollsonnig kultiviert werden, der Standort trocken bis nur mäßig feucht bei guter Boden-Drainage.

Dr. Peter Renner
Verein Botanischer Garten Adorf

 

 

 

Juni 2018

Waren die ersten 3 Wochen im Mai doch sehr niederschlagsarm – nicht eben optimal für die Pflanzenwelt, änderte sich die Situation am 24. Mai geradezu dramatisch. Von dem durch langanhaltende heftige Niederschläge und Gewitter geprägten Unwetter dieses Tages blieb auch unser Botanischer Garten nicht verschont. 

Der das Tal durchfließende Pfaffenlohbach trat über den Damm des oberhalb des Gartens gelegenen Teiches und spülte mehrere Kubikmeter Material aus dem Hang, um dann durch den Wirtschaftsteil des Gartens zum unterhalb gelegenen Teich und schließlich durch das Waldbad mit verheerender Wirkung zu fließen. Unsere Anlage selbst hat den starken Regen recht gut überstanden. Kurz nach dem Unwetter wurden durch Mitglieder des Gartenvereins und weitere Helfer die ersten Schäden in der Anlage beseitigt.

Derzeit, da sich Niederschläge und warme Temperaturen abwechseln, gedeihen die Pflanzen im Garten prächtig, entsprechend hoch ist die Anzahl der blühenden Arten.

Eine davon, die durch ein besonders intensives Hellblau ihrer Blüten hervortritt, ist die Felsen-Moltkie,